Einführung
25 | Altlasten
Hintergrund

Speziell in den letzten beiden Jahrzehnten sind Belange des Umweltschutzes mehr und mehr in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt. Bis weit in die 1980er Jahre hinein wurde diese Thematik jedoch kaum beachtet. Mit Chemikalien aller Art und Abfallstoffen wurde für gewöhnlich -auch auf staatlicher Seite- in recht sorgloser Weise umgegangen. An zahlreichen Stellen sind schädliche Abfallprodukte einfach vergraben oder abgekippt bzw. entleert worden.

Die Gesamtverantwortung hinsichtlich des Bodens trifft nun stets den Eigentümer eines Grundstückes. Stellt sich heraus, daß ein Grundstück mit Schadstoffen belastet ist, so führt dies in der Regel zu starken Wertabschlägen. Gibt es mehrere Verantwortliche für die Altlast, so muß die zuständige Behörde denjenigen zu Maßnahmen verpflichten, der am schnellsten oder am besten zur Abwendung von Gefahren in der Lage ist (hierbei existiert kein Rangverhältnis von Verursacher und Eigentümer). Auch sind die Verursacher in vielen Fällen nicht mehr feststellbar/greifbar. Die Folge sind sehr aufwendige -und damit teure- Erkundungs- und Sanierungsarbeiten zu Lasten des Eigentümers, weswegen die Altlastenproblematik bei Verkehrswertermittlungen besonders beachtet werden muß.

Im Extremfall ist das betroffene Grundstück überhaupt nicht mehr verkehrsfähig (die Erkundungs- und Entsorgungskosten übersteigen dann den Verkehrswert in theoretisch unbelastetem Zustand erheblich).
Begriffe

Der Begriff "Altlasten" im Sinne des Landesabfallgesetzes (LAbfG) umfasst

Altablagerungen: hierbei handelt es sich um Flächen, auf denen vor dem 1. März 1972 Anlagen zum Ablagern von Abfällen betrieben oder Abfälle gelagert beziehungsweise behandelt worden sind (Haus- und Gewerbemülldeponien, Verfüllungen von Gruben oder Anschüttungen mit kriegsbedingtem Trümmerschutt etc.).

Altstandorte: Flächen stillgelegter Anlagen, in denen mit grundwasserschädigenden Chemikalien umgegangen wurde (ehemalige Industrie- oder Gewerbegrundstücke).

Seit Anfang der 1990er Jahre werden in Baden-Württemberg von den Stadt- und Landkreisen flächendeckende historische Erhebungen über Altlasten durchgeführt, wobei verschiedenes Material ausgewertet und statistisch erfasst wird (zB. alte Gewerbeverzeichnisse, Karten und Luftbilder).
Einstufung

Zweck dieser Altlastenerkundung ist es, Gefährdungen zu bewerten, die von einer konkreten Altlast auf bestimmte "Schutzgüter" ausgehen (in erster Linie das Grundwasser, aber auch Boden, Pflanzen und Gebäude). Die Ergebnisse der Untersuchungen werden je nach Verdachtsmomenten vom zuständigen Amt für Umweltschutz in drei Kategorien klassifiziert

Handlungsbedarf A: es besteht keine Besorgnis, daß durch die Verdachtsfläche das Wohl der Allgemeinheit beeinträchtigt ist, oder zukünftig beeinträchtigt wird. Eine weitere Bearbeitung ist nicht erforderlich. Die Fläche wird aus der Bearbeitung ausgeschieden und archiviert (Altlastverdacht ausgeräumt).

Handlungsbedarf B (= belassen): eine aktuelle oder zukünftige Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit kann nach jetztigem Kenntnisstand mit hinreichender Sicherheit nicht ausgeschlossen werden. Eine Weiterbearbeitung der Fläche ist erforderlich, jedoch nicht vordringlich, die Verdachtsfläche wird in der Datei belassen. Bei einer beabsichtigten Neubebauung oder Nutzungsänderung ist die Fläche erneut zu prüfen.

Handlungsbedarf E (= erkunden): eine weitere Erkundung der Fläche wird empfohlen, da die Besorgnis besteht, daß das Wohl der Allgemeinheit beeinträchtigt ist oder künftig beeinträchtigt wird.

In der Verkehrsbewertungspraxis können unter "Handlungsbedarf B" eingestufte, bebaute Grundstücke -falls in absehbarer Zeit keine größeren Umbauten vorzunehmen sind- als relativ unbedenklich behandelt werden. Bei unbebauten B-Grundstücken muß grundsätzlich das Verdachts-Datenmaterial der jeweiligen Behörde genau geprüft, und eventuell Rücksprache mit dem zuständigen Sachbearbeiter gehalten werden.

Für Sanierungsmaßnahmen, die von öffentlicher Hand durchgeführt worden sind bzw. werden, gelten die Regelungen des Bundesbodenschutzgesetzes (BBodSchG). Nach § 25 BBodSchG ruht der Ausgleichsbetrag -Differenz des Verkehrswertes in vorher belastetem Zustand gegenüber saniertem/unbelastetem Grundstück nach Durchführung der Arbeiten- bis zur Bezahlung als öffentliche Last auf dem Grundstück. Dieser Sachverhalt ist entgegen § 54 Grundbuchordnung ausnahmsweise im Grundbuch eintragungsfähig - sogenannter Bodenschutzvermerk.
Dipl.-Ing. (Arch.) BDB Boris Hechelhammer
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